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Das Angler Rind alter Zuchtrichtung gilt laut der Roten Liste der Gesellschaft
zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) als extrem gefährdet. 1993 wurden noch etwa 12.000 Angler in Deutschland gehalten. Aufgrund der
Einkreuzungen mit anderen Rassen (wie z.B. Red Holstein) ist der Anteil
reinrassiger Tiere auf 237 Kühe mit nachvollziehbarer Abstammung zurückgegangen. Und dies trotz der sehr besonderen Rassequalitäten in Bezug auf Milch, Fleisch, Futterverwertung, Gesundheit und Anpassungsfähigkeit.
Das alte Angler Rind wird auch der ”Araber unter den Kühen“ genannt. Es sind edle, wache und temperamentvolle Tiere. Vorzugsweise haben sie
eine vollständig rotbraune Färbung. Weiße Flecken am Euter und am Bauch kommen auch bei hohem Anteil vom alten
Angler-Blut manchmal vor. Einige Linien haben schwarze Masken und schwarze
Beine.
Jüngere molekularbiologische Untersuchungen bestätigen, dass das Angler Rind alter Zuchtrichtung eine genetische Besonderheit
darstellt und die Verwandtschaft mit den geläufigen Rinderrassen gering ist. Viele einzigartige Gene und Genkombinationen der
Angler alter Zuchtrichtung, sind noch kaum bekannt.
Angler Rinder alter Zuchtrichtung eignen sich hervorragend für den ökologischen und den nachhaltigen Landbau, da die Verwertung des Grundfutters ca.
15% höher liegt als bei anderen Rassen. Bei Fütterung ohne oder mit geringen Mengen Kraftfutter haben sie eine gute
Milchleistung bei einem Fettgehalt um 5% und einer sehr guten Gesundheit.
Die Kühe haben ein Lebendgewicht von 450 - 650 kg bei einem Stockmaß von 1,26 - 1,42 m. Dieses mittelschwere Rind belastet bei Weidehaltung die
Grasnarbe wenig und ist für Hanglagen sehr gut geeignet. Die Zucht zielt besonders auf das gute
Funktionieren der Regelprozesse im Körper ab, d.h. das Vermögen der Kühe auf Futterveränderung mit Änderung der Milchleistung zu reagieren ohne ihren Gesundheitszustand negativ zu
beeinträchtigen. Ganz einfach ausgedrückt: Die Kühe geben bei gutem Futter viel Milch, bei qualitativ schlechten Grundfutter
weniger und bleiben dabei gesund.
Besonders hervorzuheben sind die harten Klauen und die gute Beinstellung, sehr
selten gibt es lahmende Tiere. Durch eine günstige Beckenform und kleine Kälber kommt es sehr selten zu Schwergeburten, so dass die Kühe für die Geburten meist keine Hilfe benötigen.
Das Angler Rind ist besonders anpassungsfähig an die verschiedensten Klimabedingungen, z.B. auf Almen, in den Steppen Rußlands, den Halbwüsten Australiens, den Steppengebieten Afrikas. Dies geschieht durch die breiten
Genvariationen, die gute Konstitution und die Funktionalität des Bewegungsapparates. Früher waren die Angler als Drei-Nutzungsrasse gezüchtet und gehalten. Sie erbrachten eine gute Arbeitsleistung im Zug, dabei eine
hohe Milchleistung und eine gute Fleischqualität.
Milchqualität
Die Milch der Angler Kühe alter Zuchtrichtung weist einen hohen Anteil an Fett (4,5 - 6%) und an Eiweiß
(3,2 - 4%) auf. Im Eiweiß finden sich Kappa-Kasein-Genotypen der Varianten AB und BB in besonders hohem Maße, die eine deutliche Verbesserung der Verkäsungseigenschaften mit sich bringen. Besonders der BB-Typ zeigt gegenüber dem AA-Typ folgende Vorteile:
· kürzere Gerinnungs- und Verfestigungszeiten
· schnellere Gallertebildungsraten und eine höhere Gallertefestigkeit
· eine höhere Käseausbeute (bis 6%) und bessere Käsequalität
· bessere Hitzestabilität.
Fleischqualität
Das Angler Rind alter Zuchtrichtung hat ein kurzfaseriges, zartes Fleisch mit
einem geringen Bindegewebsanteil und einem guten Safthaltevermögen. Es lagert verhältnismäßig viel Fett intramuskulär ab, was das Fleisch sehr wohlschmeckend macht. Dies ist auch einer der Gründe, warum das Angler Rind alter Zuchtrichtung von Slow Food in die Arche des
Geschmacks aufgenommen wurde.
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